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Spannungsarmglühen

Maßhaltigkeit und Formstabilität sichern

Das Spannungsarmglühen ist ein Wärmebehandlungsverfahren, das zum gezielten Abbau von inneren Eigenspannungen in Stahlbauteilen eingesetzt wird. Diese Spannungen entstehen häufig durch ungleichmäßige Abkühlung nach dem Gießen, Schweißen oder Schmieden, können aber auch die Folge intensiver mechanischer Bearbeitung sein.

Bearbeitungsverfahren wie Fräsen, Drehen, Bohren oder Tiefziehen führen lokal zu plastischen Verformungen im Werkstoffgefüge und damit zu Spannungseinträgen. Werden diese Spannungen nicht gezielt reduziert, können sie sich bei nachfolgenden Fertigungs‑ oder Wärmebehandlungsschritten lösen und Form‑ und Maßabweichungen (Verzug) verursachen.

Insbesondere Bauteile mit engen Maßtoleranzen oder Komponenten, die im Anschluss weiterveredelt werden – etwa durch Nitrocarburieren oder andere thermochemische Verfahren – müssen sich in einem spannungsarmen Zustand befinden, um reproduzierbare Ergebnisse zu gewährleisten.

Das Spannungsarmglühen erfolgt typischerweise bei Temperaturen zwischen 550 und 650°C. Nach dem Erreichen der Zieltemperatur werden die Werkstücke für rund zwei Stunden gehalten, damit sich die Eigenspannungen gleichmäßig abbauen können. Anschließend erfolgt eine langsame Abkühlung im Ofen, um neue Spannungen durch Temperaturunterschiede zu vermeiden.

Gerade bei großen oder massiven Bauteilen ist eine kontrollierte, langsame Abkühlung entscheidend, da zu hohe Abkühlgeschwindigkeiten erneut Spannungen im Werkstoff erzeugen können.

Das Spannungsarmglühen hat keinen Einfluss auf das Gefüge des Materials und wirkt sich nur minimal auf die Härte aus. Ziel ist nicht die Veränderung mechanischer Kennwerte, sondern die Sicherstellung von Maß‑, Form‑ und Prozessstabilität in der weiteren Fertigung.

KENNZAHLEN WEICHGLÜHEN

 

Temperatur:

bis 650°C

Anlagengröße:

900 x 2000 mm

Durchlaufzeit:

ab 48 h

Max. Beladegewicht*:

2.000 kg

*pro Charge bei Standardgrößen und -behandlungen

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Silvio Stranek

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WEITERE GLÜHVERFAHREN

Gasnitrieren

Weichglühen

Beim Weichglühen wird ein Stahlwerkstoff typischerweise bis knapp unterhalb des sogenannten Umwandlungspunktes A1 erhitzt, um eine geringe Festigkeit sowie eine hohe Verformbarkeit einzustellen.

Plasmanitrieren

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Was versteht man unter Spannungsarmglühen?

Spannungsarmglühen ist ein Wärmebehandlungsverfahren für Stahlbauteile, bei dem innere Eigenspannungen gezielt abgebaut werden. Diese Spannungen entstehen häufig während vorhergehender Fertigungs‑ oder Bearbeitungsschritte und können ohne Behandlung zu Verzug oder Maßabweichungen führen.

Wann ist Spannungsarmglühen erforderlich?

Das Verfahren ist sinnvoll nach Prozessen wie Gießen, Schweißen oder Schmieden sowie nach intensiver mechanischer Bearbeitung wie Fräsen, Drehen oder Tiefziehen. Besonders bei Bauteilen mit hohen Maß‑ und Formanforderungen ist Spannungsarmglühen ein wichtiger Zwischenschritt.

Welche Vorteile bietet das Spannungsarmglühen?

Durch den Abbau von Eigenspannungen wird die Maß‑ und Formstabilität der Bauteile verbessert. Das Risiko von Verzug bei nachfolgenden Bearbeitungs‑ oder Wärmebehandlungsschritten wird deutlich reduziert.

Beeinflusst Spannungsarmglühen die Härte oder das Gefüge?

Das Spannungsarmglühen hat keinen gezielten Einfluss auf das Materialgefüge und verändert die Härte nur geringfügig. Der Fokus liegt ausschließlich auf der Reduzierung innerer Spannungen, nicht auf der Einstellung mechanischer Werkstoffeigenschaften.

Bei welchen Temperaturen wird Spannungsarmglühen durchgeführt?

Typischerweise erfolgt das Spannungsarmglühen bei Temperaturen zwischen 550 und 650°C mit einer Haltezeit von etwa zwei Stunden, abhängig von Werkstoff und Bauteilabmessungen.

Warum ist eine langsame Abkühlung wichtig?

Eine kontrollierte, langsame Abkühlung im Ofen verhindert die erneute Entstehung von Spannungen durch Temperaturgradienten. Dies ist besonders bei großen oder massiven Bauteilen entscheidend.

Ist Spannungsarmglühen vor weiteren Wärmebehandlungen notwendig?

Ja, insbesondere vor thermochemischen Verfahren wie dem Nitrocarburieren ist ein spannungsarmer Zustand erforderlich, um Maßhaltigkeit, Prozesssicherheit und reproduzierbare Ergebnisse sicherzustellen.

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